Reverse Factoring

Das Reverse Factoring stellt eine Sonderform des Factorings dar. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich hierbei um die umgekehrte Variante der Finanzierung durch Forderungsverkauf. Dies bedeutet, dass anstelle von Forderungen (wie beim klassischen Factoring) nun Verbindlichkeiten (gegenüber Lieferanten) an eine Factoring-Gesellschaft verkauft werden. Aus diesem Grund spricht man beim Reverse Factoring auch oft von einer Verbindlichkeitsfinanzierung oder einer Einkaufsfinanzierung.

Wie funktioniert Reverse Factoring?

Das Grundprinzip des Reverse Factoring ähnelt dem des klassischen Factorings stark:

  1. Zunächst schließt ein Unternehmen einen Vertrag über die Lieferung von Waren mit seinem Lieferanten.
  2. Für die georderten Waren erhält das Unternehmen von seinem Lieferanten (Kreditor) eine Rechnung. Dadurch entsteht für das Unternehmen wiederum eine Verbindlichkeit gegenüber dem Lieferanten in Höhe des Rechnungsbetrags.
  3. Gleichzeitig wird die dritte Partei im Reverse Factoring, der Factor, vom Lieferanten über den Inhalt der Forderungen und etwaige Zahlungsziele
  4. Nachdem die Waren geliefert wurden, reicht das Unternehmen die erhaltene Rechnung bei seinem Factor ein.
  5. Der Factor begleicht den ausstehenden Betrag unverzüglich unter Abzug von Skonto und ermöglicht dem Unternehmen somit eine Vorfinanzierung seiner Verbindlichkeiten.
  6. Anschließend erhält das Unternehmen von seinem Factor eine neue Rechnung für die erhaltenen Waren. Diese beinhaltet neben den Warenkosten auch die Kosten für das Factoring und ist bis zu einem individuell vereinbarten Zahlungsziel zu bezahlen.

Eine Besonderheit beim Reverse Factoring ist allerdings, dass ein Unternehmen nicht immer ausnahmslos alle Einkäufe über die Factoring-Gesellschaft finanzieren lassen kann. Vielmehr bedarf es vor jedem Reverse-Factoring-Vertrag einer individuellen Vereinbarung darüber, welche Lieferantenrechnungen vorfinanziert werden können. Hierbei ist vor allem die Bonität des Warenabnehmers entscheidend.

Welche Vorteile ergeben sich durch das Reverse-Factoring für Abnehmer und Lieferanten?

Sowohl die Abnehmer der georderten Waren als auch die beteiligten Lieferanten profitieren von den vielfältigen Vorteilen der Verbindlichkeitsfinanzierung.

Vorteile für Unternehmen:

  • Sicherung der Liquidität dank der Vorfinanzierung durch den Factor
  • Verlängertes Zahlungsziel möglich: Geld muss dem Factoring-Anbieter in der Regel später zurückgezahlt werden als es das eigentliche Zahlungsziel des Lieferanten vorsehen würde (bspw. erst nach 90 Tagen anstatt innerhalb 10-14 oder 30 Tagen)
  • Bessere Einkaufskonditionen durch mögliche Preisnachlässe der Lieferanten für schnellere Zahlung (Ausnutzung aller Skonti)
  • Verbesserte Liquidität der Lieferanten, wodurch Produktions- und Lieferfähigkeit sichergestellt wird

Vorteile für Lieferanten:

  • Erhöhte Liquidität durch unmittelbare Zahlung des Factors
  • Risikominimierung durch garantierte Zahlung der Factoring-Gesellschaft

Entwicklung langfristiger Geschäftsbeziehungen durch festes Lieferanten-Abnehmer-Factor -Verhältnis