Factoring wird heute von immer mehr mittelständischen Unternehmen aus Industrie, Großhandel und dem Dienstleistungssektor in wachsendem Umfang genutzt. Für viele Firmen habe sich Factoring als geeignete Finanzierungsalternative erwiesen, die zunehmend beliebter werde, sagt Ulrich Brink, Geschäftsführer des Deutschen Factoring-Verbandes. Der Verkauf von Geldforderungen an ein Factoringinstitut wird nicht mehr als Notlösung betrachtet.
Davon profitieren in Deutschland vor allem die Töchter ausländischer Finanzdienstleister. Deren Anteil am Gesamtumsatz der Branche wird auf rund 60 Prozent geschätzt. Doch jetzt hat offenbar ein Umdenken eingesetzt. Die einheimischen Geldinstitute versuchen, im Factoringmarkt wieder stärker Fuß zu fassen. Für die Mittelständler ist das eine gute Nachricht, denn ein zunehmender Wettbewerb dürfte zu besseren Konditionen führen. "Die deutschen Banken haben sich in der Vergangenheit stark auf den Betriebsmittelkredit konzentriert, das ändert sich aber", beobachtet Finanzierungsexperte Michael J. Hesse bei der Beratungsgesellschaft Arthur D. Little.
Dafür gibt es seiner Meinung nach mehrere Gründe: die gegenüber dem klassischen Kredit geringere Eigenkapitalunterlegung gemäß den Vorgaben von "Basel II", die besseren Margen im Factoringgeschäft und eine Ausweitung der Produktpalette gegenüber dem mittelständischen Kunden.
Managementberater Hesse geht deshalb davon aus, dass es in Zukunft zu neuen Allianzen zwischen den deutschen Banken und den Factoringinstituten kommen wird. Diese könnten über Kapitalverflechtungen oder gemeinsame Zweckgesellschaften passieren. Unter den deutschen Großbanken halten Branchenbeobachter die Hypo-Vereinsbank über die neue Eigentümerin Unicredito sowie die Deutsche Bank mit ihrer Beteiligung an Atradius für gut aufgestellt im Markt, dagegen gebe es bei der Dresdner Bank und der Commerzbank noch Nachholbedarf. Als mögliche Kooperationspartner gelten Marktführer Coface und Heller Bank, aber auch schnell wachsende neue Anbieter. Hesse sieht auch für die Factoringgesellschaften Vorteile, weil sie Zugriff auf die Bestandskunden der Banken bekämen.
Hesse erwartet für den Factoringmarkt "klare Zuwächse" in den kommenden Jahren. Die Branche werde an Bedeutung gewinnen, nachdem sie in den vergangenen vier Jahren um durchschnittlich knapp 18 Prozent zugelegt hat auf einen Umsatz von zuletzt 45,3 Mrd. Euro. Der Kundenkreis werde permanent ausgeweitet, mittlerweile lohne sich Factoring schon bei Umsätzen zwischen drei Mill. und vier Mill. Euro. Die Vorteile aus dem Wegfall von möglichen Zahlungsausfällen und die Liquiditätsverbesserung seien meist höher zu bewerten als die Kosten.
Beim Factoring erfolgt in der Regel die sofortige Auszahlung von 80 bis 90 Prozent der abgetretenen Forderungen, der Rest ist ein Sicherheitspuffer, der nach dem Begleichen der Rechnung überwiesen wird. Die Factoring-gebühr liegt nach Branchenangaben zwischen 0,8 und 2,5 Prozent des angekauften Forderungsvolumens. Zusätzlich fallen Zinsen für die Vorausfinanzierung der Forderungen an. Dafür erhalte der Unternehmer aber neben der Liquiditätsbeschaffung auch eine deutliche Reduzierung der Risikos und werde im aufwendigen Debitoren-Management entlastet. Köhler, Peter Krause, Anne
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